26. Klavierfrühling


26. Deutschlandsberger Klavierfrühling



1727 – 2020
Eine Klangreise in 44 Etappen


An den jeden Frühling überreich gedeckten musikalischen Gabentisch hat man sich in Deutschlandsberg und seiner näheren und ferneren Umgebung schon so sehr gewöhnt, daß das andernorts mit Gewißheit zu erwartende Staunen hier meistens ganz ausbleibt. Vielleicht bietet der 26. Klavierfrühling dieser staunenswerten Institution doch einigen Anlaß zu freudiger Überraschung?

Da ist zunächst natürlich die Freude des Wiedersehens und Wiederhörens: Überall in dem weitgespannten Bogen des runden Konzertdutzends wird man bekannte und liebgewonnene Namen wiederfinden – und das bezieht sich auf die Komponisten ebenso wie auf die Interpreten. Daneben kommt aber auch die Entdeckerfreude nicht zu kurz, und wir dürfen mit Spannung erwarten, was uns jene Musiker zu sagen haben, die heuer ein erstes Mal zu Wort kommen.

Dann ruft uns jedes dieser Konzerte nachdrücklich in Erinnerung, daß das Klavier etwas ganz besonderes ist: Nämlich ein weit offenes Tor zu einer unerschöpflichen Welt unerwarteter Erfahrungen, in der es keine stilistischen, nationalen oder klangsinnlichen Barrieren gibt.

Daß das Klavier überdies ein ungemein kontaktfreudiges Instrument ist, erkennt man schon daran, daß nur genau die Hälfte der Konzerte des Klavierfrühlings „reine Klavierabende“ sind, während sich in der anderen Hälfte die menschliche Stimme oder Streichinstrumente dem Klavierklang beigesellen.

Auch die Zeiten, in denen man fürchten mußte, mit Musik, die jünger ist als 100 Jahre, das Publikum zu vergrämen, und man „neuere“ Musik in ein Ghetto sperren zu müssen glaubte, sind endgültig vorbei: Keines der sieben Werke des diesjährigen Programms, die diese Bedingung erfüllen, wird auf Verständnislosigkeit treffen, aber alle werden den Horizont der Hörer auf fesselnde Weise erweitern.

Die Reise, auf der wir im heurigen Klavierfrühling nicht weniger als 44 Werke hören können, führt von Ostern 1727, als Bach in Leipzig seine A-moll-Partita schrieb, durch den Wundergarten der Klassik, zu dem wir auch Schubert zählen dürfen, in den Eichendorffschen Wald der Romantik, wo uns ein volles Dutzend musikalischer Blüten verzaubert, und von dort zur „klassischen Moderne“, die zwar nur mit einer Handvoll Kompositionen, aber eben mit ganz besonders aussagekräftigen vertreten ist, bevor wir jenem schon oben erwähnten „jungen“ Siebengestirn begegnen, unter denen das gerade erst entstehende Werk von Kurt Schwertsik das unschlagbar neueste bleiben wird.

Da uns aber all das eben nicht so pedantisch chronologisch geordnet, sondern in jedem Konzert als bunter Strauß entgegentritt, ist für Abwechslung und Anregung in überreichem Maß gesorgt.
Wer wollte einem solchen Feste fernbleiben?
Claus Christian Schuster