Oktoberfest



Erlesenes – gespielt, gesungen und gelesen

Ein künstlerisches „Oktoberfest“ des Kulturkreises Deutschlandsberg

Mit fünf Veranstaltungen feiert der Kulturkreis einen ganz eigenen „Steirischen Herbst“, wobei ein auf das Werk Shakespeares konzentrierter Liederabend auf den ersten Blick hin etwas „voreilig“ am 14. September den Anfang macht. Die bekannte, in Deutschlandsberg fast schon heimische Sopranistin Anna Maria Prammer und der Bariton Andreas Lebeda werden aus dem schier unüberblickbaren Vorrat an Shakespeare-Vertonungen aus dem Vollen schöpfen und folglich einen weiten Bogen von den alten Meistern bis zu Komponisten der Gegenwart beschreiben. Am Klavier dient ihnen Christiane M. Perai als vorbereitende, als kommentierende, begleitende und – wie es so vor allem bei den romantischen Liedern erwünscht ist – auch als Betreuerin von Nachspielen, von rein instrumentalen Werk- und Sinnerfüllungen.
Ein Liederabend des Baritons Wolfgang Holzmair folgt am 28. September. Wir haben ihn – den Regeln kalendarischer Großzügigkeit entsprechend – ebenfalls in den Datenrahmen eines der Kunst bestimmten „Oktoberfestes“ mit einbezogen. Es handelt sich um fünf Konzerte und eine Lesung von musikalischem wie literarischem Gewicht. Und zugleich von überlegter Gewichtung, was die gleichsam innerbetrieblichen Zuordnungen und Gegenüberstellungen einzelner Werke und Werkgruppen anbelangt. Der Jahreszeit im Sinne musischen Erntedankes gehorchend, werden bei allem Ernst des künstlerischen Beginnens auch Unterhaltung, intelligenter Spaß und konzertantes Schmunzeln immer wieder die Oberhand behalten. Den eingeladenen Künstlern ist es aufgetragen, diese variablen Momente des Ausdrucks, diesen Bogen zwischen Entspannung und Anspannung bis hin in düstere Regionen auszuloten. Den Hörern fällt die schöne Aufgabe zu, mit den Ausführenden auf Kundschaft zu gehen und von Fall zu Fall die ganz eigenen Schlüsse aus dem Erlebten zu ziehen.
Wolfgang Holzmair – Professor an der Salzburger Hochschule Mozarteum – konzentriert sich im Zusammenwirken mit der englischen Pianistin Imogen Cooper auf eine Auswahl von Liedern, die Franz Schubert nach Texten des verehrten Johann Mayrhofer komponiert hat. Antike Stoffe aus dem reichen Schatz der Götter- und Menschheitsgeschichten im Anklang an berühmte Passagen theatralischer Dramatik, eine „Zürnende Diana“ oder auch eine „Fahrt zum Hades“ zeigen – von Schubert klingend, rhythmisierend und akzentuierend mit Bedeutung angereichert – wie gefährlich jene Zone zwischen Himmel und Erde geblieben ist, in der das Leben veranstaltet wird und wir Menschen uns als Handelnde immer wieder überheben, als Behandelte hingegen immer wieder der Depression verfallen.
Imogen Cooper ist etwas älteren Musikfreunden schon in den 60er Jahren bekannt gewesen. Zu Zeiten der jüngst wieder attraktiven Langspielplatten nach dem Vinylverfahren, konnte den Verehrern des „frühen“ Alfred Brendels eine Vox-Einspielung der Schubertschen f-Moll-Fantasie (D 940) und der umfangreichen C-Dur-Sonate (D 812) in die Hände geraten. Und auf diese Weise war auf hohem darstellerischen Niveau auch belegt, dass Imogen Cooper in diesen Stücken für Klavier zu vier Händen nicht nur zufällig an der Seite des Pianisten Platz genommen hatte.
Seinen Zyklus 2013/14 eröffnet das Altenberg Trio Wien am 6. Oktober mit einer Werkfolge, die in wichtigen Passagen die Doppelbödigkeit von beliebten, in der Musikästhetik geradezu wie zementierten Tonartencharakterisierungen bestätigt. In Mozarts Klaviertrio KV 548 wird dem aufmerksamen Zuhörer gelegentlich die Sphäre eines schattigen, überschatteten C-Dur eröffnet. Momente, die wie so oft bei Mozart jenen emotionalen Schwebezustand „ansprechen“ , der gelegentlich als Lächeln unter Tränen bezeichnet oder auch als heitere Wehmut umschrieben wird. Man denke hier an den schwingend-pochenden, in einer wie schwerelosen Bedrohlichkeit an Boden gewinnenden Beginn der g-Moll-Symphonie (KV 550).
Mit dem Klavierquartett in Es-Dur (KV 493) erweitert Mozart die kammermusikalische Dimension mit Vor- und Umsicht in Richtung kammerorchestraler Wirkung. Die hinzu gebetene Viola verdichtet den Klang, hilft aber auch, ihn mittels einer zusätzlichen Linie aufzufächern. Gerhard Schulz – einst Mitglied des Alban Berg Quartetts – übernimmt diesen Part und damit die Verantwortung für den musikantischen Brückenschlag zwischen der ersten Geige und dem Cello. Dadurch werden die einzelnen Klangdistanzen von der Violine bis hin zum Klavier verringert. Dvoraks groß angelegtes, philharmonisch schwelgerisches, aber auch tänzerisches Klaviertrio in f-Moll zählt zu den gewissermaßen halbabendfüllenden Beispielen einer von Joseph Haydn entscheidend vorgeprägten und schließlich vielfältigst weiter entwickelten Kammermusikgattung. Schuberts Es-Dur-Trio (D 929), Beethovens so genanntes Erzherzog-Trio (op. 97) und Tschaikowskys Klaviertrio in a-Moll (op. 50) wären als Beispiele für Kammermusik in dieser Besetzung zu nennen, die wie das f-Moll-Trio von Dvorak den traditionellen „Kammerraum“ in Richtung Konzertsaal erweitern und somit in ihrer Weitläufigkeit und in ihrem Ausdrucksreichtum bereits an symphonische Großkategorien denken lassen. Hier nun – um es auf eine japanische Formel zu bringen – auf Bonsaiinstrumentierung begrenzt, aber ohne jeden Verlust im Detail und in der akustischen Feinabstimmung.
Der Reigen der musikalischen Darbietungen wird am 11. Oktober auf eine ganz ergötzliche, unterhaltsame Weise unterbrochen: Michael Heltau ist mit einer Schnitzler-Lesung zu Gast! Es handelt sich um „Eine kleine Komödie“ im wahrsten (und im pikantesten) Sinn des Wortes. Um eine Milieustudie nicht nach wissenschaftlich-soziologischen Kriterien, sondern recherchiert nach den seltsamen Regeln eines Alltags, der in der Verlogenheit des Rollentauschs letzten Endes manches an Wahrheit offenbart. Der gutsituierte, vom Wohlleben einer dekadenten Wiener Gesellschaft der Jahrhundertwende angewiderte Herr von Wilmers vermutet im „Glück der kleinen Leute“ eine Möglichkeit, sich dem Einerlei der teuren Restaurants, der lähmenden Begegnungen mit anderen Müßiggängern und den oberflächlichen Affären mit Damen seines Standes entziehen zu können. Alfred von Wilmers verliebt sich in die Schauspielerin Josefina, die auf eine bewegte Vergangenheit zurückblickt und ebenfalls unter der Eintönigkeit des gepflegten Hier und Jetzt zu leiden beliebt. Wilmers gibt sich als armen Dichter aus, sie als einfache, unterbezahlte Näherin. In Briefen berichten sie von dieser amourösen Schule des Täuschens und des finalen Getäuschtwerdens.
Zusammen mit Christiane Hörbiger hat Michael Heltau diese Schnitzler-Delikatesse 1979 für den Rundfunk „eingespielt“ . Klaus Gmeiner war es, der dem originalen Hin- und Her postalischer Selbstentblößung das Format eines Hörspiels verpasste und so mit den beiden Vor- und Nachtragenden für 60 Minuten beste Unterhaltung sorgte. Heltau nun in der Musikschule im Alleingang und somit verantwortlich nicht nur für die elegante Sündhaftigkeit des Herrn, sondern auch für die fadenscheinige Näh- und Verkleidungskunst seiner Herzensdame.
Mit dem Pianisten Roland Batik begrüßen wir in Deutschlandsberg einen Musiker von erheblicher Vielseitigkeit. Am Klavier hat er als Interpret besonders der Werke Bachs, Mozarts, Haydns und Beethoven interessanten Anschauungsunterricht geben können. Allein schon deshalb, weil er auch als ein Komponist von sich Reden und Spielen machte, der sich wenig um stilistische Sperrlinien und Korsettschnürungen scherte. Ähnlich seinem Lehrer Friedrich Gulda komponierte er, indem er in in die aktuelle Jazz-, und Popszene hinein horchte und diese Erkundungen sozusagen am Puls der Gegenwart auch in seinen Wiedergaben älterer Meister anklingen ließ. Werke von Bach, Haydn und Brahms wären als musikalische Schwerpunkte seines Programms zu bezeichnen, Baldassare Galuppis Sonate in C-Dur als klavieristisches Leichtgewicht. Ein Rarität übrigens, mit der Arturo Benedetti Michelangeli auf einer Decca-Platte, gelegentlich auch im Konzertsaal seine Hörer überraschte und meine Kritikerkollegen bei den Zugabenfahndungen buchstäblich auf dem falschen Ohr erwischte.
Aus der Feder (oder aus dem PC…) von Roland Batik stammen kleine Arbeiten, die an Friedrich Guldas familiäre pianistische Widmungen erinnern. Der Meister schrieb swingende, geschmeidige Miniaturen „For Paul“ und „For Rico. Batik vertritt dieses Genre mit einem „Walzer für Patrizia“.
Den Abschluss unseres „Oktoberfestes“ gestaltet Oleg Maisenberg mit jenen zwei russischen Kompositionen, die bereits für sein Auftreten im Rahmen des „Klavierfrühlings“ vorgesehen waren. Zum einen handelt es sich um Tschaikowskys nach Monaten eingeteilte „Jahreszeiten“, in deren Verlauf der Oktober prächtig in diese Veranstaltungsfolge passt. Zum anderen um Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“, deren wie musikalisch-gemalte Situationskomik, aber auch deren zwischen Derbheit, Lärm, religiöser Einkehr und freigeistiger Andacht angesiedelte Unverfälschtheit Maisenberg immer wieder zu höchst eigenwilligen, zuweilen im besten Sinn schockierenden, die Szenerie schonungslos enthüllenden Deutungen animierten.
Peter Cossé


Samstag, 14. September 2013 18:00

"Shakespeare in Music"


Anna Maria Pammer - Sopran
Andreas Lebeda - Bariton
Christiana M. Perai - Klavier
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Samstag, 28. September 2013 18:00

Wolfgang Holzmair - Bariton / Imogen Cooper - Klavier


Lieder von Franz Schubert nach Texten von Johann Mayrhofer
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Freitag, 11. Oktober 2013 19:30

Michael Heltau - Lesung


Arthur Schnitzlers Briefnovelle : Die kleine Komödie
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Sonntag, 13. Oktober 2013 18:00

Roland Batik - Klavier


Baldassare Galuppi
Wolfgang Amadeus Mozart
Ludwig van Beethoven
Franz Schubert
Roland Batik
Franz Liszt
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Donnerstag, 17. Oktober 2013 19:30

Oleg Maisenberg - Klavier


P. I. Tschaikowsky
- Die Jahreszeiten op. 37a
Modest Mussorgsky
- Bilder einer Ausstellung
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