Robert Levin – Klavier / Ya-Fei Chuang – Klavier


Musikschule Deutschlandsberg
Samstag, 09. Mai 2015 18:00
21. Klavierfrühling 2015

Claude Debussy(1862 – 1918)
- En blanc et noir (Für 2 Klaviere)
Edvard Grieg (1843 – 1907)
- Vier norwegische Tänze op. 35 (Für Klavier zu vier Händen)
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
- Sonate D-Dur KV 576 (Robert Levin)
Frédéric Chopin (1810 – 1849)
- 24 Preludes op. 28 (Ya-Fei Chuang)

Robert Levin und Ya-Fei Chuang – Allianz mit Soloverpflichtung

Mit dem Pianisten, Musikwissenschaftler und – er wird es mir verzeihen – begnadeten Wissensunterhalter verbindet mich eine über viele Jahre sporadisch erneuerte Freundschaft – so wie es die verschiedenen Berufswege zweier da und dort – zumeist aber dort – auf Tour befindlicher Musikenthusiasten unausweichlich machen. Meine erste Begegnung mit dem amerikanischen Spezialisten sozusagen für Alles, was mit dem Tasteninstrument und der Klavierliteratur generell zusammenhängt, gestaltete sich auf anregendste Weise im Rahmen des Lockenhauser Kammermusikfestes. Levin war damals mit der Sängerin Christine Whittlesey verheiratet, die den Grazern und sicher auch manchem Einheimischen hier am Ort als eine Professorin an der Grazer Musikuniversität ein Begriff ist. Zuletzt leitete sie beim Wettbewerb „Schubert und die Moderne“ die Jury im Fach Gesang.
Für eine etwas längere Zeit mit Robert Levin zusammen zu sein ergab sich 2008, als wir beide der Jury des Arthur Rubinstein–Klavierwettbewerbs in Tel Aviv angehörten und bei dieser Gelegenheit viele Möglichkeiten hatten – und auch ergriffen –, weit über den faszinierenden pianistischen Alltag hinaus über Musik und all ihre sozialen, politischen und aufführungspraktischen Belange zu diskutieren. Man hatte Robert seitens der Wettbewerbsdirektion eingeladen, sich an einem freien Tag im Rahmen eines Vortrags über Fragen der Mozart-Interpretation zu äußern. Und da im Speziellen über die individuelle Ausgestaltung der Klavierkonzertkadenzen bis hin zu improvisatorischem Wagemut ganz im Sinne altertümlichen Gebarens nach eigener, dem musikalischen Moment verhafteter und dem klavieristischen Können gemäßer Abenteuerlust. Levin argumentiert bei solchen Gelegenheiten, redet und spielt sich Beispiel gebend und Informationen gewissermaßen ins Auditorium verschießend in Hitze: ein Prophet des ungekannten Früheren, nämlich alter musikantischer Verhaltensformen , zugleich ein Umsichtiger, sogar ein Erforscher des Heutigen an der imaginären Schwelle zum Kommenden.

Die Diskographie Levins ist umfangreich und berührt eine Fülle von literarischen Aspekten. Da sind zum Beispiel die fünf Beethoven-Klavierkonzerte und das selten zu hörende B-Dur-Rondo für Klavier und Orchester, die er unter der Leitung von John Eliot Gardiner für die Archiv-Produktion der Deutschen Grammophon eingespielt hat. Mit dem leider im September des vergangenen Jahres verstorbenen Christopher Hogwood hat er u. a. die Mozart-Klavierkonzerte KV 413 und 415 eingespielt (Decca /L‘oiseau-lyre 444 571,2). Und für das Label ECM (1508) spielte er zusammen mit dem Klarinettisten Eduard Brunner und der Bratschistin Kim Kashkashian Werke von Schumann und Kurtag.

Mit seiner jungen Frau Ya-Fei Chuang, einer mit einigen Preisen ausgezeichneten Pianistin aus Taiwan, ist Robert Levin bereits im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr zu hören gewesen. Eine umfangreiche Edition mit Wagner- und Verdi-Paraphrasen (Vol. 31 – Avi-Service for music 8553428) enthält mit dem sozusagen transkontinentalen Duo das Meistersinger-Vorspiel in der Fassung für zwei Klaviere von Reger, die kapriziös-arglistigen „Souvenirs de Bayreuth“ von Fauré und Messager sowie die Tristan-Persiflage „Souvenirs de Munich“ von Chabrier.

Als Solistin ist Ya-Fei Chuang in dieser Edition mit der hochvirtuosen Liszt-Transkription der wagnerschen Tannhäuser-Ouvertüre zu hören. Diese Liszt-Interpretation gibt Anlass auf ihre Darbietung der 24 Préludes von Chopin in der Musikschule gespannt zu sein.
Peter Cossé