Michael Heltau - Lesung


Laßnitzhaus
Freitag, 11. Oktober 2013 19:30
Oktoberfest

Arthur Schnitzlers Briefnovelle : Die kleine Komödie

Der vor kurzem 80 Jahre gewordene Schauspieler, Chansonnier und Entertainer ist eine der profiliertesten Bühnengestalten und –gestaltern im deutschsprachigen Raum. In seinen Lesungen begeistert er das Publikum durch seine ganz besondere Sprechkultur.

Der Reigen der musikalischen Darbietungen wird auf eine ganz ergötzliche, unterhaltsame Weise unterbrochen: Michael Heltau ist mit einer Schnitzler-Lesung zu Gast! Es handelt sich um „Eine kleine Komödie“ im wahrsten (und im pikantesten) Sinn des Wortes. Um eine Milieustudie nicht nach wissenschaftlich-soziologischen Kriterien, sondern recherchiert nach den seltsamen Regeln eines Alltags, der in der Verlogenheit des Rollentauschs letzten Endes manches an Wahrheit offenbart. Der gutsituierte, vom Wohlleben einer dekadenten Wiener Gesellschaft der Jahrhundertwende angewiderte Herr von Wilmers vermutet im „Glück der kleinen Leute“ eine Möglichkeit, sich dem Einerlei der teuren Restaurants, der lähmenden Begegnungen mit anderen Müßiggängern und den oberflächlichen Affären mit Damen seines Standes entziehen zu können. Alfred von Wilmers verliebt sich in die Schauspielerin Josefina, die auf eine bewegte Vergangenheit zurückblickt und ebenfalls unter der Eintönigkeit des gepflegten Hier und Jetzt zu leiden beliebt. Wilmers gibt sich als armen Dichter aus, sie als einfache, unterbezahlte Näherin. In Briefen berichten sie von dieser amourösen Schule des Täuschens und des finalen Getäuschtwerdens.
Zusammen mit Christiane Hörbiger hat Michael Heltau diese Schnitzler-Delikatesse 1979 für den Rundfunk „eingespielt“ . Klaus Gmeiner war es, der dem originalen Hin- und Her postalischer Selbstentblößung das Format eines Hörspiels verpasste und so mit den beiden Vor- und Nachtragenden für 60 Minuten beste Unterhaltung sorgte. Heltau nun in der Musikschule im Alleingang und somit verantwortlich nicht nur für die elegante Sündhaftigkeit des Herrn, sondern auch für die fadenscheinige Näh- und Verkleidungskunst seiner Herzensdame.
Peter Cossé