Altenberg Trio Wien "alt" & "neu"


Musikschule Deutschlandsberg
Sonntag, 09. September 2012 18:00
Konzerte Saison 2012/2013

Sonderkonzert anlässlich der Neugründung des Ensembles



Claus Christian Schuster – Klavier, Amiram Ganz – Violine,
Alexander Gebert – Violoncello:

Maurice Ravel
- Trio en la pour piano, violon et violoncelle (1914)
Modéré / Pantoum. Assez vif / Passacaille. Très large / Final. Animé


Christopher Hinterhuber – Klavier, Amiram Ganz – Violine, Christoph Stradner – Violoncello:

Felix Mendelssohn-Bartholdy
- Trio für Pianoforte, Violine und Violoncello, d-Moll, op. 49
Molto allegro agitato / Andante con moto tranquillo / Scherzo. Leggiero e vivace / Finale. Allegro assai


Die Erkenntnis, daß sich alles geistig-gestaltende Leben im Werden und Wandel erfüllt, ist so alt wie die Sehnsucht des Menschen nach dieser „unpraktischen” Dimension seines Wirkens. Allzu oft wird freilich diese innere Notwendigkeit, Gewohntes und Bewährtes aufzugeben, von kleinlichen Motiven überlagert – und gerade im Reich der Kammermusik lösen oft persönliche Dissonanzen einen mitunter aus viel tiefer liegenden Gründen längst überfälligen Wechsel aus.

Als Geschenk und Gnade darf man es deshalb betrachten, wenn ein solcher Neubeginn in ungetrübter Harmonie und tiefem Einverständnis aller Beteiligten erfolgen kann, wie das im Falle der Neugründung des Altenberg Trios Wien der Fall ist.

Weit jenseits der Schicksalhaftigkeit der unmittelbaren Anlässe (Krankheit, Lebensplanung), die den konkreten Zeitpunkt dieses Wechsels vorgeben, liegt in der Konfliktlosigkeit des Überganges die durchaus nicht alltägliche Chance, ganz neues Terrain zu erschließen, ohne dabei die Kontinuität einer gewachsenen und bewährten Tradition zu gefährden.
Das „Doppelkonzert”, zu dem sich das alte und das neue Altenberg Trio heute vereinigen, möge Ausdruck und Sinnbild dieser zu wahrenden Chance sein, deren Verwirklichung zu nicht geringem Teil in den Händen, Herzen und Ohren unseres treuen Publikums liegt.

Altenberg Trio (bis 2012)
Seit seinem „offiziellen“ Début bei der Salzburger Mozartwoche (Jänner 1994) hat das Altenberg Trio Wien, eines der wenigen full time Klaviertrios der Kammermusikwelt, in mehr als 700 Auftritten den Ruf eines der wagemutigsten und konsequentesten Ensembles dieser Kategorie erworben: Sein Repertoire umfasst – neben einer großen Anzahl von Werken aus den unmittelbar angrenzenden Bereichen (Klavierquartette, Duos, Tripelkonzerte, vokale Kammermusik) – nicht weniger als 200 Klaviertrios, darunter etliche Werke, die das Altenberg Trio selbst angeregt und uraufgeführt hat.
Schon gleichzeitig mit seiner Gründung wurde das Ensemble Trio in Residence der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, für die es alljährlich einen Konzertzyklus im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins gestaltet, und der Konservatorium Wien Privatuniversität, wo es einen Seminarlehrgang für Kammermusik leitet.
Zu den anderen Fixpunkten seiner Tätigkeit gehören das Internationale Brahmsfest Mürzzuschlag, dessen künstlerischer Leiter Claus-Christian Schuster ist, sowie die Accademia di Musica di Pinerolo (Piemont), an der es allmonatlich Meisterklassen für junge Ensembles anbietet.
Bei der Verleihung des Robert-Schumann-Preises der Stadt Zwickau reihte sich das Altenberg Trio 1999 in die „österreichische“ Tradition dieser Auszeichnung ein (Preisträger 1997 – Nikolaus Harnoncourt, 2002 – Alfred Brendel); unmittelbaren Anlass dazu hatte die kurz davor erschienene Gesamteinspielung der Schumannschen Klaviertrios geboten. Weitere Preise folgten, so etwa der Edison Award für eine Aufnahme mit Werken von Ives, Copland und Bernstein.

Claus-Christian Schuster , geboren 1952 in Wien, studierte Klavier in Wien, Bloomington (USA) und Moskau bei Wilhelm Hübner, Hans Graf, Dieter Weber und Vera Gornostayeva. Von prägender Bedeutung war für ihn die Begegnung mit Wilhelm Kempff in Positano. Er ist Preisträger etlicher internationaler Klavier- und Kammermusikwettbewerbe und war bis 1984 weltweit als Solist tätig. 1984 gründete er das Wiener Schubert Trio, mit dem er regelmäßiger Gast in den wichtigsten Musikzentren und bei den renommiertesten Kammermusikfestivals wurde (Musikverein Wien - eigener Zyklus seit 1988; Salzburger Festspiele, La Fenice / Venedig, Teatro alla Scala / Milano, Concertgebouw / Amsterdam etc.). Nach der 1993 erfolgten Auflösung des Wiener Schubert Trios bildete er zusammen mit Amiram Ganz und Martin Hornstein, dem 2004 Alexander Gebert nachfolgte, das Altenberg Trio, mit dem er seit 1994 seine internationale kammermusikalische Aktivität in verstärktem Maße fortsetzte.

Amiram Ganz wurde 1952 in Montevideo geboren. Er begann sein Violinstudium in Uruguay bei Israel Chorberg, dem Leopold-Auer-Schüler Ilya Fidlon und Jorge Risi. Mit elf Jahren gewann er den Wettbewerb der Jeunesses musicales und setzte anschließend seine Studien bei Richard Burgin in den USA sowie bei Alberto Lysy an der Internationalen Kammermusikakademie in Rom fort. Von 1974 bis 1979 war er Stipendiat am Moskauer Tschaikovsky-Konservatorium, wo Victor Pikaisen sein Lehrer wurde. Als Finalist und Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe (Long-Thibaud / Paris, ARD / München u.a.) wurde er 1980 Erster Konzertmeister des Orchestre Philharmonique de Strasbourg. Von 1987 bis zur Gründung des Altenberg Trios spielte er als Geiger des Schostakowitsch-Trios mehr als dreihundert Konzerte in aller Welt (Concertgebouw / Amsterdam, Alte Oper in Frankfurt / M., Tschaikovsky-Konservatorium / Moskau etc.). 1994 gründete er zusammen mit Claus-Christian Schuster und Martin Hornstein, dem 2004 Alexander Gebert nachfolgte, das Altenberg Trio, mit dem er seither in ganz Europa und Nordamerika konzertiert.
Seit 1981 wirkte Amiram Ganz neben seiner Konzerttätigkeit auch als Professor am Straßburger Konservatorium; als Mitglied des Altenberg Trios leitet er jetzt einen Seminarlehrgang für Klavierkammermusik an der Konservatorium Wien Privatuniversität.
Amiram Ganz spielt auf einer von Goffredo Cappa 1686 in Mailand gebauten Geige, die dem Trio von einem anonymen Mäzen zu Verfügung gestellt wurde.

Alexander Gebert wurde 1977 in Warschau in eine Musikerfamilie geboren, die 1980 nach Finnland emigrierte. Mit fünf Jahren begann er sein Cellostudium in der Klasse von Timo Hanhinen am Konservatorium in Turku. 1989 wurde er an die Sibelius-Akademie in Helsinki aufgenommen, wo Victoria Yaglig, Kazimierz Michalik und Heikki Rautasalo seine Lehrer waren. Zwischen 1995 und 1998 studierte er als Stipendiat des polnischen Staates an der Warschauer Chopin-Akademie. Danach setzte er seine Studien bei Philippe Muller am Conservatoire de Paris und als DAAD-Stipendiat an der Stuttgarter Musikhochschule bei Natalia Gutman fort. 2002 wurde ihm in Paris ein Drei-Jahres-Stipendium der Groupe Banques Populaires zuerkannt.
Alexander Gebert gewann seinen ersten internationalen Cello-Wettbewerb mit sechzehn Jahren; 1997 wurde er Zweiter im Warschauer Lutoslawski-Wettbewerb, und im Jahr 2000 gewann er hintereinander den 3. Preis des Antonio-Janigro-Wettbewerbs in Zagreb, den 2. Preis sowie den Publikumspreis des Internationalen Wettbewerbs in Genf (wo er mit dem Orchestre de la Suisse Romande unter Heinrich Schiff spielte), und schließlich den 1. Preis im Concorso Valentino Bucchi in Rom. Er ist in Europa und Nordamerika als Solist und Kammermusiker bei einer Reihe renommierter Musikfeste aufgetreten (Kuhmo Festival, Oleg-Kagan-Musikfest, Festival de Deauville, Ravinia Festival). Ende 2004 wurde er Cellist des Altenberg Trios. Seit Ende September 2010hat er eine Professur an der Musikhochschule Detmold inne.
Alexander Gebert spielt ein Cello von Frank Ravatin (Vannes 2005).

Altenberg Trio (ab 2012)
In jedem Übergang liegt ein besonderer Zauber. Dies gilt für die Musik und gleichermaßen für die „Verwandlung“ eines Ensembles, das diese pflegt. Beim Altenberg Trio Wien glückte ein freundschaftlich-harmonischer Wechsel.
Christopher Hinterhuber und Christoph Stradner sind beinahe gleichaltrig. Neben fast identischen Vornamen verbindet sie vor allem eine rege solistische Tätigkeit. Nun treffen sie auf den besonders im Klaviertrio sehr erfahrenen Geiger Amiram Ganz. Dieser wiederum teilt mit Stradner die langjährige Kenntnis über die Klangfülle eines Symphonieorchesters. Alle drei unterrichten außerdem mit Begeisterung im Rahmen eigener Unterrichtsklassen.
Die Liebe zur Kammermusik verbindet sie alle, und so entsteht aus dieser Vielzahl von Einflüssen ein neues Ganzes. Christopher Hinterhuber und Christoph Stradner garantieren zusammen mit Amiram Ganz „Kontinuität im Wandel“.
Das war und ist das ungeschriebene Credo des Altenberg Trios: „Kein Trio ist. Es wird.“ Es widmet sich der Kammermusik, die von der Klassik bis zur zeitgenössischen Musik reicht; und es will ihre und deren Wandlungen erlebbar machen.

Christopher Hinterhuber studierte Klavier u. a. bei Rudolf Kehrer, Avo Kouyoumdjian, Heinz Medjimorec an der Wiener Musikuniversität sowie Lazar Berman in der Accademia pianistica internazionale "Incontri col maestro" in Imola, Italien. Nach einer Reihe von Preisen bei internationalen Wettbewerben spielte er 2002/03 zusammen mit der Geigerin Patricia Kopatschinskaja in der Reihe "Rising Stars" in den wichtigsten europäischen Konzertsälen sowie in der Carnegie Hall New York.
In den letzten Jahren war er regelmäßig zu Gast bei bedeutenden Festivals wie dem Klavierfestival Ruhr, dem Prager Herbst, dem Kammermusikfest Lockenhaus, dem Schleswig-Holstein-Festival, der Styriarte in Graz, dem Carinthischen Sommer in Ossiach sowie bei Orchestern wie den Wiener Symphonikern, dem Radio-Sinfonieorchester Wien, dem Klangforum Wien, dem Wiener und Züricher Kammerorchester, dem MDR- Orchester Leipzig, der Staatskapelle Weimar, dem Royal Liverpool Philharmonic, dem Orchestre Philharmonique Luxemburg, dem New Zealand Symphony Orchestra u.a. und spielte als Solist mit Dirigenten wie Vladimir Ashkenazy, Yakov Kreizberg, Bertrand de Billy, Sylvain Cambreling, Beat Furrer oder Bruno Weil.
Eine mit internationalen Preisen ausgezeichnete Diskographie und eine Berufung als Professor für das Hauptfach Klavier an die Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien unterstreichen seinen herausragenden Rang innerhalb der jüngeren österreichischen Pianistengeneration.

Amiram Ganz ist seit der Gründung 1994 auch weiterhin Geiger des Altenberg Trios.

Christoph Stradner, 1970 in Wien geboren, erhielt seinen ersten Violoncellounterricht bei Frieda Litschauer und studierte später bei Wolfgang Herzer an der Wiener Musikuniversität. Ein Londonaufenthalt für das Studium bei William Pleeth, dem Lehrer von Jacqueline du Pré, wurde ihm durch ein Stipendium der Alban-Berg-Stiftung, Wien, ermöglicht. Darüber hinaus waren Meisterkurse bei Mischa Maisky, Daniel Schafran, Steven Isserlis, Harvey Shapiro, David Geringas, Robert Scheiwein, Martin Hornstein, Boris Kuschnir und Rubén Dubrovsky eine wesentliche künstlerische Bereicherung.
Christoph Stradner ist 1. Preisträger des Österreichischen Wettbewerbes „Jugend musiziert“, 1991 und 1. Preisträger des „Concurso Internacional de Violonchelo“, Murcia, 1993.
In den letzten Jahren folgten zahlreiche Rundfunk- und Fernsehproduktionen sowie CD-Einspielungen, u.a. die bei Dorian erschienene CD „Turn of the Century-Cello“ mit Werken von Strauss, Webern, Goldmark und Suk. Seit 2005 leitet Stradner das Ensemble „Acht Cellisten der Wiener Symphoniker“. Künstlerisches Programm dieses Ensemble ist es, unbekannte Dimensionen vermeintlich bekannter Werke freizulegen und für den Zuhörer transparent zu machen. Hierfür bearbeitete Stradner z.B. Wagners Siegfried Idyll oder Bachs Weihnachtsoratorium. Die aktuelle CD der „Acht Cellisten“ mit Tschaikowskis Schwanensee- und Nussknacker-Suite ist neu bei Camerata erschienen und derzeit im Handel erhältlich.
Christoph Stradner spielt ein Violoncello von Antonio Stradivari aus dem Jahre 1680.

Amiram Ganz spielt eine Geige von Goffredo Cappa (Saluzzo 1686), die dem Altenberg Trio von einem anonymen Mäzen großzügigerweise zur Verfügung gestellt wurde, Christoph Stradner ein Violoncello von Antonio Stradivari (Cremona 1680).